Elternseminar 07: Leistungsbewertung
Nachdem im letzten Jahr die Eltern in einem Methodentag erfahren konnten, dass nicht nur die fachliche Kompetenz im Bildungsplan der Realschulen verankert ist, sondern, besonders bei uns an der Erich Kästner Realschule, auch der personalen und der sozialen Kompetenz ein hoher Stellenwert eingeräumt wird, ging es im diesjährigen Elternseminar darum, wie diese Kompetenzen in die Leistungsbewertung eines Schülers mit einbezogen werden.
Nach der Begrüßung durch die Seminarleiter, unseren Rektor, Herrn Gaß und unsere Konrektorin, Frau Friedmann, definierten die Eltern ihre Assoziation mit den Begriffen Leistung und Leistungsbewertung.
In einem kurzen Referat brachte Herr Gaß zum Ausdruck, wie sich durch die letzten Jahrzehnte das Lernen und der Lerninhalt an den Realschulen entwickelt und verändert hat. Schüler müssen heute lernen, sich mit verschiedenen Methoden die Welt zu erschließen und sie müssen über ein Instrumentarium verfügen, ihr Lernen selbstbewusst und eigenverantwortlich zu organisieren und voranzutreiben. Daraus ergibt sich, dass Leistung und Leistungsmessung diesem Sachverhalt gerecht werden muss.
Damit dieser Morgen nicht in einen langen, trockenen Vortrag abgleitet, gab Frau Friedmann anschließend einem Teil der Eltern die Aufgabe, mit Hilfe eines Luftballons, Papier und wenigen weiteren Hilfsmitteln einen „Eierflugapparat“ zu entwickeln, der ein Ei, aus mehreren Metern Höhe, unbeschädigt zu Boden transportiert.
Jeweils vier Personen setzten, beobachtet von zwei Elternteilen („Lehrern“), diese Aufgabe in einer Gruppenarbeit innerhalb der nächsten halben Stunde um.
Natürlich wurden die „Geräte“ präsentiert und auf Tauglichkeit getestet. Einige Gruppen schwankten zwischen Unsicherheit und Zuversicht, als es darum ging, die Starthöhe auszuwählen. Nach der Landung musste nur eine Gruppe feststellen, dass es sich um ein gekochtes Ei handelte.
Im dritten Teil des Vormittags, wurde dann auch den Skeptikern der „Bastelstunde“ klar, dass dieser Teil notwendig war, um die Schwierigkeiten bei der Leistungsbewer-tung einer Gruppenarbeit selbst zu erfahren.
In einem Gesprächskreis teilten die Beobachter („Lehrer“) das Ergebnis ihrer Gruppen- und Personenbeobachtung mit. Es stellte sich heraus, dass der Schwerpunkt der Beobachtungen auf der fachlichen Umsetzung und letztendlich dem Ergebnis des Flugs lag. Es zeigte sich, wie schwer es ist, die personalen und sozialen Kompetenzen, die in die Gruppenarbeit eingebracht wurden, zu erkennen und zu bewerten. Auch der im Unterricht sicherlich häufig auftretende Fall, dass sich der Schüler anders sieht, als der Beobachter, zeigte allen Eltern welchen Schwierigkeiten ein Lehrer bei einer Klassenstärke von 30 Kindern begegnet. Es entwickelte sich eine rege, konstruktive Diskussion.
Die abschließende Bewertung des Seminars durch die Eltern gibt unserer Schulleitung hoffentlich ausreichend Motivation, diese Seminar-Reihe fortzusetzen.
Jens Richter (6a)
